Oker-Talsperre: Das Geheimnis der Kirchturmspitze von Schulenberg

Kirchturmspitze von Schulenberg - Oker Talsperre

Oker-Talsperre: Das Geheimnis der Kirchturmspitze von Schulenberg

Das alte Schulenberg wird gelegentlich auch als das „Atlantis von Norddeutschland“ bezeichnet. Während es sich bei dem antiken Inselreich jedoch um eine Legende des griechischen Philosophen Platon (428 – 348 v.Chr.) handelt, ist die versunkene alte Bergbaustadt alles andere als ein Mythos. 1956 bei der Flutung der Oker-Talsperre verschwand die Harzer Siedlung endgültig in den Fluten.

Endgültig? Hartnäckig halten sich die Gerüchte, dass man bei niedrigem Wasserstand die Kirchturmspitze von Schulenberg des alten Ortes sehen und ihre Glocken zu jeder vollen Stunde sehen könne. Studenten einer Tauchergruppe der TU Clausthal wollten es daher ganz genau wissen. Und tatsächlich: Nach mehreren Tauchgängen fanden sie im dunklen Wasser die alte Kirchturmspitze. Die alte Holzkonstruktion hatte durch das jahrzehntelange Dasein unter Wasser jedoch stark gelitten. Daher montierten die rührigen Studenten diese kurzerhand ab, setzten sie an Land wieder instand und fixierten sie erneut auf dem stark beschädigten Turm…

Andere Gerüchte besagen, dass der damalige Kapitän der OkerSeeSchiffahrt eine nachgebaute Spitze auf eine Boje gesetzt hatte, um auf diese Weise noch mehr Touristen auf sein Schiff zu locken. Eine Mär, über die sein Sohn und heutige Kapitän der MS AquaMarin nur herzhaft lachen kann.

Tatsächlich hatte es im alten Schulenberg, wie ein Blick auf alte Bilder beweist, niemals einen Kirchturm gegeben. Und wenn es, wie es hartnäckige Zungen behaupten, dennoch einen gegeben haben sollte: Von 1954 bis zur Flutung der Okertalsperre 1956 wurden sämtliche Gebäude des alten Schulenberg bis auf die Grundmauern abgetragen. Diese tauchten 2011 allerdings für einige Tage wieder auf als die Oker-Talsperre nach wochenlanger Trockenheit nahezu trockenfiel.

Die Grundmauern und Straßen des früheren Schulenberg liegen bei normalem Wasserstand rund 20 Meter unter der Oberfläche und sind ein beliebtes Ziel für Taucher. Darüber hinaus können bei Tauchgängen auch Reste der alten Talbrücke sowie des alten Kraftwerkes gefunden werden. Die Erforschung der Unterwasserwelt der Oker-Talsperre ist jedoch stark limitiert, Unterwassergänge sind dort z.Zt. nur Tauchern aus Niedersachsen und berlin gestattet.